Artikelverzeichnis für Internet Werbung

Kostenloser Service für SEO'S und Agenturen

Wer bisher nur im Ausland gearbeitet hat oder als Schüler oder Student im Praktikum die ersten Schritte in der Arbeitswelt tut, ist oft darüber erstaunt, wie exakt alles geregelt ist. Jedes Blatt wird einsortiert, gestempelt und abgeheftet, jeder Arbeitsschritt dokumentiert, jeder ausgegebene Cent aufgeschrieben, jedes Büromöbel gezählt. Diese oft den Deutschen zugeschriebene Genauigkeit wirkt auf Außenstehende oft übertrieben und pedantisch. Kann man sich den Kleinkram nicht sparen, um sich mehr den wichtigeren Angelegenheiten zu widmen? Das ist zu kurz gedacht. Nur durch die akribische Dokumentation sämtlicher Details können Fehlerquellen identifiziert, Lösungen gefunden und Optimierungsmöglichkeiten aufgedeckt werden. Andernfalls ist weder eine Geschäftsevaluation noch irgend ein Fortschritt möglich. Zur juristischen Absicherung sind viele dieser Vorgänge sogar gesetzlich vorgeschrieben und reglementiert.

Neben dem Beruf des Archivars und der Sekretärin ist der des Buchhalters primär durch diese Aufgaben geprägt. Dem Buchhalter obliegt die Verwaltung und Kontrolle der Geschäftsbücher, in welche die Daten jeglicher Geschäftsvorfälle (auch: Geschäftsfälle) eines Unternehmens eingetragen werden. Dazu gehören sämtliche Einnahmen und Ausgaben, Veränderungen von Schulden oder Vermögen sowie Ereignisse, die zu finanziellem Aufwand oder Ertrag führen. Dies geschieht gemäß den offiziellen Grundsätzen der ordnungsgemäßen Buchführung (GoB) und handelsrechtlicher Vorschriften. Am Abschluss einer Rechnungsperiode (meist das unternehmerische Geschäftsjahr) bereitet ein Buchhalter in der Finanzbuchhaltung den Jahresabschluss vor. Aufgrund seiner genauen Kenntnis der Zahlen aus der Geschäfts- und Betriebsbuchhaltung kommt ihm hinsichtlich steuerlicher und betriebswirtschaftlicher Entscheidungen eine beratende Funktion gegenüber der Geschäftsführung zu.

Seine Hauptaufgabe bleibt allerdings die Debitorenbuchhaltung, die Bearbeitung der Transaktionen mit Kunden sowie die Kreditorenbuchhaltung, die der Transaktion mit Lieferanten. Auch Steuer- und Zollerklärungen fallen in seinen Aufgabenbereich, ebenso wie die Lohnabrechnungen der Angestellten. Die Anlagenbuchhaltung beschäftigt sich mit der Erfassung der dem Unternehmen eigenen langlebigen Wirtschaftgüter, zu denen unter anderem Anlagevermögen und Immobilien zählen. Die von den Buchhaltern bereitgestellten und anschließend von Revisoren geprüften Zahlen über diese Gegenstände bilden die Arbeitsgrundlage für die Aufgaben des Controllers, der sich mit dem internen Rechnungswesen befasst, die Zahlen aufbereitet und zur Vorbereitung zielsetzungsgerechter Entscheidungen an die Unternehmensführung weiterleitet.

Mindestvoraussetzung für die Einstellung als Buchhalter ist eine kaufmännische Ausbildung. Zusätzlich ist eine durch die Industrie- und Handelskammer geregelte berufliche Weiterbildung zum staatlich geprüften Finanzbuchhalter zu absolvieren. Da die Berufsbezeichnung des Buchhalters nicht eschützt ist, gibt es daneben diverse Abschlüsse von privaten Lehrgangsträgern, die in unterschiedlichen Lehrgängen in Voll- und Teilzeit angeboten werden und abhängig davon drei Monate bis zwei Jahre dauern können. In jedem Fall umfasst die Fortbildung Kenntnisse im finanzwirtschaftlichen Management, Steuerrecht sowie der Kosten- und Leistungsrechnung. Anschließend wird man zur Prüfung zugelassen, wenn man entweder eine abgeschlossene kaufmännische Ausbildung oder einen wirtschaftlichen Studienabschluss aufweist oder mindestens sechs Jahre in einem einschlägigen Bereich gearbeitet hat. In Österreich ist Buchhalter ein eigenständiger Ausbildungsberuf.

Mit der neu erworbenen Qualifikation in der Tasche hat man die Möglicheit, in nahezu allen Wirtschaftszweigen für verschiedene Unternehmen zu arbeiten oder im Dienstleistungsbereich, in Verbänden oder Organisationen tätig zu sein. Sogar Handwerksbetriebe beschäftigen ab einer gewissen Größe eigene Buchhalter.

Das Einstiegsgehalt beträgt im Regelfall 25.000 bis 30.000 Euro jährlich, bei Akademikern bis zu 40.000. In der freien Wirtschaft gibt es selbstverständlich starke Abweichungen in beide Richtungen. In multinationalen Unternehmen kann man mit speziellen Qualifikationen bis zu 100.000 Euro verdienen.

Wie viele Bürojobs in der Verwaltungsbranche ist auch die Buchhaltung traditionell eher eine Frauendomäne. Obwohl sich heutzutage immer mehr Männer für diesen Beruf entscheiden, zeigt eine Studie aus dem Jahr 2010, dass der Frauenanteil immer noch bei mehr als drei Vierteln lag. Dies beweist einmal mehr, dass Ordnung und Akribie nicht primär dem männlichen Geschlecht zuzuschreiben sind, auch wenn chauvinistische Klischees gerne das Gegenteil behaupten. Wer den Buchhaltungsberuf auf Zahlenschieberei und das Zählen unwichtiger Gegenstände wie Büromöbel reduziert, vergisst dabei, dass er das Fundament für sämtliche wichtige Vorgänge in einem Unternehmen bildet.

On Facebook

Archive

Anmelden

Blog Top Liste - by TopBlogs.de