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Stellen Sie unseren Lesern doch zunächst einmal kurz das Niedersächsische Staatstheater Hannover vor. Was gibt es dort zu entdecken, und was bietet es für Theater-Liebhaber an?

Das Niedersächsische Staatstheater besteht aus der Staatsoper Hannover und dem Schauspiel Hannover. Beide sind künstlerisch eigenständige Häuser mit eigenen Ensembles, sie verfügen jedoch über eine gemeinsame Verwaltung. Ich kann aber nur für das Schauspiel Hannover sprechen. Seit dem Intendantenwechsel im Herbst 2009 stehen hier neben bekannten Klassikern wie Ibsens »Ein Volksfeind« oder Shakespeares »Romeo und Julia« verstärkt noch unbekannte, zum Teil exklusiv für Hannover entstandene Produktionen auf dem Programm, die sich mit dringenden Problemen unserer Zeit auseinandersetzen wie z. B. Atomkraft, Integration und Hunger. Daneben ist die kritische Auseinandersetzung mit der Geschichte ein Eckpfeiler unseres Programms. Und dann gibt es natürlich noch das Junge Schauspiel Hannover, das am Ballhof gerade unter neuer künstlerischer Leitung durchstartet.

Was denken Sie macht generell den Reiz und die Faszination an Theaterstücken aus?

Die erwartungsvolle Atmosphäre, wenn im Zuschauerraum die Gespräche verstummen und auf der Bühne das Spiel beginnt, ist für mich immer ein ganz besonderer Moment, den ich so nirgendwo sonst erlebe. Vor allem aber ist Theater für den Zuschauer eine Möglichkeit, das Leben von einer anderen Seite zu betrachten, Utopien durchzuspielen, Geschichte neu zu deuten, zu träumen oder sich auch mal verstören zu lassen, so dass er oder sie im besten Falle verändert nach Hause geht.

Was macht ein gutes Theaterstück aus, gibt es hier objektive Kriterien oder liegt dies prinzipiell im Auge des Betrachters?

Ich glaube, am wichtigsten ist neben dem Thema und der Sprache das dramatische Potenzial eines Stückes. Wird eine gute Geschichte erzählt oder nicht? Wenn auf der Bühne nichts passiert und die Schauspieler nur Texte aufsagen oder endlos monologisieren, langweilt das viele Zuschauer. Ich habe das Gefühl, dass Handlung und Spiel wieder wichtiger werden.

Gibt es im Bereich Theater und Theaterstücke Entwicklungen oder Trends, die Sie besonders freuen oder denen Sie besonders skeptisch gegenüber stehen?

Dokumentarische Theaterprojekte können zu Sternstunden werden, wenn sie über die Recherche und die Montage von Interviews hinaus im Spiel der Darsteller eine Welt in meinem Kopf aufmachen. Wie zum Beispiel in der vergangenen Saison das Stück »Moschee DE« von Robert Thalheim und Kolja Mensing. Die beiden haben den Streit um einen Moscheebau in Berlin-Heinersdorf szenisch rekonstruiert und auf fünf widerstreitende Figuren heruntergebrochen, die den Zuschauer 90 Minuten lang in Atem halten, denn irgendwie hat jeder auf seine Weise recht… Das ist verstörend und führt zum Hinterfragen der eigenen, scheinbar festgefügten Haltung. Dafür wird »Moschee DE« übrigens im November 2010 mit dem neu gestifteten Kulturpreis der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannover ausgezeichnet. Eher kritisch sehe ich Theaterabende, die so starke Anleihen bei der Kino-Ästhetik nehmen, dass man den Eindruck hat, der Regisseur hätte am liebsten einen Film gedreht.

Was waren besonders tolle Momente in der Geschichte des Niedersächsischen Staatstheaters Hannover und was waren Ihre ganz persönlichen Highlights?

Zur Geschichte kann ich mich nicht äußern, denn ich habe – wie übrigens fast das gesamte Ensemble und die Theaterleitung – erst vor einem Jahr am Schauspiel Hannover neu angefangen. Mein persönliches Highlights der ersten Spielzeit war »Wolokolamsker Chaussee/ Das Leben der Autos« von Heiner Müller und Ilja Ehrenburg. Lars-Ole Walburgs Inszenierung erzählt im ersten Teil vom Scheitern des Sozialismus und im zweiten von der Entfesselung des Kapitalismus. Vom etwas sperrigen Titel sollte man sich nicht abschrecken lassen: Es ist ein großer Theaterabend, intellektuell fordernd und doch zugleich äußerst unterhaltsam. Dann möchte ich noch das Stationentheaterstück »komA« erwähnen, das in der Tellkampfschule spielt und die Vorgeschichte eines fiktiven Amoklaufs erzählt. Darin erschaffen Schüler, Lehrer und Schauspieler eine beklemmend reelle Szenerie, die durch den authentischen Ort nochmal verstärkt wird. Beide Stücke werden auch in der neuen Spielzeit zu sehen sein.

Was gehört Ihrer Meinung nach zu Theater-Klassikern, die jeder mal gesehen haben sollte und welche Insider-Tipps habe Sie eventuell bezüglich eher unbekannteren Stücken?

Ganz sicher »Romeo und Julia«, das ab 11. September auch in Hannover wieder auf dem Spielplan steht, aktuell in der Regie von Heike Marianne Götze. Und hier mein Insider-Tipp: »Eszter Solymosi von Tiszaeszlár«, die Geschichte einer Judenverfolgung aus dem Ungarn des 19. Jahrhunderts. Oder, mit den Worten des Regisseurs Kornél Mundruczo: ein »ungarischer Bauernthriller«. Er ist nur vom 17. bis 26. September auf der Cumberlandschen Bühne und voraussichtlich nochmal Mitte Dezember 2010 zu sehen.

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